Geschichte, Köhlertradition, Holzkohle und das Meilerfest im Fichtelgebirge.

Mitten in den Wäldern nordöstlich von Selb befindet sich ein Ort, an dem ein fast vergessenes Handwerk bis heute lebendig gehalten wird: der Meilerplatz Häuselloh. Zwischen Moorlandschaft, Waldwegen und Granitböden liegt ein Platz, der nicht nur ein Ziel für Wanderer und Naturfreunde ist, sondern zugleich ein lebendiges Freilichtmuseum regionaler Kulturgeschichte darstellt.

Der Meilerplatz ist weit mehr als eine einfache Waldlichtung. Er steht für die jahrhundertelange Geschichte der Köhlerei im Fichtelgebirge und ist heute Mittelpunkt eines der bekanntesten Traditionsfeste der Region – des Meilerfestes.

Die Landschaft der Häuselloh

Die Häuselloh gehört zu den interessantesten Natur- und Kulturräumen des nordöstlichen Fichtelgebirges. Hier befindet sich das größte Moorgebiet des Fichtelgebirges, das heute unter Naturschutz steht. Über viele Jahrhunderte wurde die Landschaft wirtschaftlich genutzt – unter anderem durch Torfabbau, Forstwirtschaft und Holzgewinnung.

Die Umgebung des Meilerplatzes ist geprägt durch:

weitläufige Waldflächen
Moorgebiete und Feuchtzonen
historische Wirtschaftsflächen
Wanderwege und Naturpfade
ehemalige Standorte traditioneller Waldberufe

Gerade diese Mischung aus Natur und Geschichte macht den Reiz der Häuselloh aus.

Die Entstehung der Köhlerei im Fichtelgebirge

Die Geschichte des Meilerplatzes ist eng mit der Köhlerei verbunden. Bereits seit dem Mittelalter benötigten Eisenhämmer, Glashütten und Handwerksbetriebe große Mengen Holzkohle.

Normales Brennholz erzeugte beim Verbrennen keine ausreichend hohen Temperaturen. Deshalb wurde Holz in sogenannten Kohlenmeilern langsam und kontrolliert unter Sauerstoffmangel verschwelt.

Der Ablauf war aufwendig:

Holz wurde geschlagen und getrocknet
Scheite wurden kegelförmig aufgeschichtet
der Meiler erhielt eine Abdeckung aus Erde und Reisig
das Holz wurde kontrolliert verschwelt
über mehrere Tage oder Wochen musste der Meiler überwacht werden

Die Arbeit der Köhler war körperlich anstrengend und verlangte große Erfahrung. Ein Fehler konnte den gesamten Meiler zerstören.

Die Köhlerei gehörte über Jahrhunderte zu den wichtigen Waldberufen des Fichtelgebirges.

Die Wiederbelebung des Meilerplatzes

Im Laufe des 19. und frühen 20. Jahrhunderts verlor die traditionelle Köhlerei zunehmend an Bedeutung. Moderne Brennstoffe ersetzten Holzkohle und viele alte Handwerkstechniken verschwanden.

Um dieses Wissen nicht verloren gehen zu lassen, entstand in Selb die Idee, die Tradition wieder sichtbar zu machen. Der Verein Europäische Natur- und Kulturlandschaft Häuselloh (ENKL) begann damit, regelmäßig Kohlenmeiler zu errichten und Besuchern die alte Technik vorzuführen.

Seit den 1990er-Jahren entwickelte sich daraus eine feste Tradition. Das Meilerfest findet seit 1994 statt und wurde später zu einer ganzen Meilerwoche erweitert.

Das Meilerfest – gelebte Geschichte

Das Meilerfest gehört heute zu den bekanntesten traditionellen Veranstaltungen im Raum Selb. Anders als viele Volksfeste konzentriert es sich nicht auf Fahrgeschäfte oder große Bühnenprogramme, sondern auf Handwerk, Natur und Gemeinschaft.

Während der Meilerwoche entsteht Schritt für Schritt ein echter Kohlenmeiler.

Besucher erleben:

das Aufschichten des Holzes
das Anzünden des Meilers
die tägliche Überwachung
die Öffnung des Meilers
die Ernte der Holzkohle

Zusätzlich werden alte Handwerkstechniken präsentiert:

Betrieb von Pechsteinen
historische Waldberufe
Vorführungen traditioneller Arbeitsweisen
Schausteinbruch-Betrieb
regionale Spezialitäten und Musikprogramme

Die eigentliche Öffnung des Meilers – der sogenannte Kohlenausstoß – bildet den Höhepunkt des Festes. Dabei wird die fertige Holzkohle aus dem Inneren des Meilers freigelegt.

Gemeinschaft und Atmosphäre

Was Besucher besonders am Meilerfest schätzen, ist seine besondere Atmosphäre. Hier steht nicht Unterhaltung im klassischen Sinn im Mittelpunkt, sondern gemeinsames Erleben.

Der Duft von Rauch und Holz liegt in der Luft. Aus dem Meiler steigt langsam Dampf auf, während Besucher an Feuerstellen sitzen und den Köhlern bei ihrer Arbeit zusehen.

Musikgruppen und regionale Vereine tragen zusätzlich zur Stimmung bei. Traditionelle Blaskapellen und Spielmannszüge begleiten das Fest regelmäßig.

Der Meilerplatz heute

Heute ist der Meilerplatz ganzjährig ein beliebtes Ziel für Naturfreunde und Wanderer. Er dient außerdem als Ausgangspunkt für Führungen durch das Häusellohmoor und verschiedene Naturerlebniswege.

Er verbindet:

Kulturgeschichte
Naturschutz
Handwerkstradition
regionale Identität
Freizeit und Erholung

Damit gehört er zu den besonderen Orten des Fichtelgebirges.

Fazit

Der Meilerplatz Häuselloh bei Selb ist weit mehr als ein Platz im Wald. Er bewahrt ein jahrhundertealtes Handwerk und erinnert an eine Zeit, in der Menschen den Wald nicht nur als Erholungsraum, sondern als Lebensgrundlage betrachteten.

Das Meilerfest hält diese Geschichte lebendig. Zwischen Rauch, Holz und Holzkohle entsteht jedes Jahr erneut ein Stück Vergangenheit – nicht hinter Museumsvitrinen, sondern mitten in der Natur.

 
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