Das Fichtelgebirge gehört zu den sagenreichsten Landschaften Bayerns.

über Generationen mündlich überliefert.

Die Geschichten verbinden oft markante Felsen, Wälder, Moore und Burgruinen mit übernatürlichen Wesen, verborgenen Schätzen und rätselhaften Ereignissen.

1. Das Moosweiblein und das arme Mädchen

Vor langer Zeit lebte am Rand des Fichtelgebirges ein armes Mädchen. Sein Vater war gestorben, die Mutter war krank, und oft wusste die kleine Familie nicht, wovon sie leben sollte.

Eines Morgens stieg das Mädchen auf den Hengstberg bei Selb, um Beeren und Haselnüsse zu sammeln. Als ihr Krug schon halb gefüllt war, bemerkte sie zwischen Farnen und Moos eine winzige Gestalt. Es war kaum größer als ein Kind und trug ein Kleid aus golden schimmerndem Moos.

„Kind“, sagte das Moosweiblein mit leiser Stimme, „gibst du mir ein paar deiner Beeren?“

Obwohl sie selbst kaum genug hatte, teilte das Mädchen großzügig mit dem kleinen Wesen. Das Moosweiblein bedankte sich freundlich und verschwand lautlos zwischen den Bäumen.

Als das Mädchen nach Hause kam und den Krug ausschütten wollte, traute sie ihren Augen nicht: Aus den Beeren und den Nussschalen war pures Gold geworden. Von diesem Tag an mussten Mutter und Tochter nie wieder Hunger leiden.

Seitdem erzählen sich die Menschen im Fichtelgebirge, dass die Moosweiblein gute Herzen erkennen und Hilfsbereitschaft reich belohnen.

2. Die Venediger

Vor vielen Jahrhunderten erschienen im Fichtelgebirge fremde Männer. Sie sprachen eine unbekannte Sprache, trugen seltsame Kleidung und kannten sich erstaunlich gut mit Steinen und Metallen aus.

Die Einheimischen nannten sie die Venediger, weil man glaubte, sie kämen aus Venedig.

Tagsüber wanderten sie durch die Berge, untersuchten Felsen und verschwanden immer wieder in geheimnisvollen Höhlen. Niemand wusste, was sie dort taten.

Bald entstand das Gerücht, sie hätten verborgene Goldadern entdeckt. Doch das Geheimnis gaben sie nie preis. Als sie eines Tages verschwanden, blieben nur verlassene Stollen und verschlossene Höhlen zurück.

Noch heute heißt es, tief im Fichtelgebirge lägen unermessliche Schätze verborgen. Wer sie finden will, braucht jedoch mehr als Glück – denn die Geister der Berge bewachen das Gold.

3. Der Teufel und die verborgene Kirche im Ochsenkopf

Vor vielen Jahrhunderten glaubten die Menschen, dass der Ochsenkopf innen hohl sei. Tief im Berg sollte eine verborgene Kirche liegen – eine Kirche aus Gold und Edelsteinen, die nur wenigen Auserwählten erschien.

Eines verregneten Sonntagmorgens stieg ein Aschenbrenner auf den Berg. Er wollte seine Meiler vor dem Regen schützen. Während unten im Tal die Kirchenglocken von Bischofsgrün zum Gottesdienst läuteten, entdeckte er plötzlich einen schmalen Felsspalt, den er noch nie zuvor gesehen hatte.

Neugierig trat er ein.

Der enge Gang führte ihn in eine gewaltige Halle. Überall funkelten Gold, Silber und Edelsteine. Hunderte Kerzen brannten, obwohl niemand sie entzündet hatte. In der Mitte stand ein alter Mann mit langem Bart, dessen Gewand wie pures Gold schimmerte.

Der Fremde sagte kein Wort. Ehrfürchtig blickte der Aschenbrenner sich um.

Da erinnerte er sich an eine alte Erzählung: Während unten die Messe gefeiert werde, halte im Inneren des Ochsenkopfs das Bergvolk seinen eigenen Gottesdienst. Wer ihn störe oder aus Gier nach den Schätzen greife, werde den Ausgang niemals wiederfinden.

Von Furcht gepackt, drehte sich der Mann um und rannte davon. Hinter ihm ertönte ein gewaltiges Krachen, als würde der ganze Berg einstürzen.

Als er später mit seiner Frau zurückkehrte, war der Eingang verschwunden. Nur nackter Fels war zu sehen.

Seine Frau schalt ihn:

„Warum hast du keinen einzigen Goldbecher mitgebracht?“

Der Mann antwortete:

„Wer dort gewesen ist, denkt nicht mehr an Reichtum.“

Seitdem heißt es im Fichtelgebirge, dass der Berg seine Schätze nur denjenigen zeigt, die ohne Habgier kommen. Wer aus Gier sucht, findet nichts – oder verirrt sich für immer im Berg.

4. Der versunkene Schatz der Burg Epprechtstein

Als die Burg im Jahr 1553 zerstört wurde, sollen die letzten Burgbewohner ihre Kostbarkeiten nicht mitgenommen haben. Stattdessen versteckten sie Gold, Silber und Edelsteine tief in den Felsen unter der Burg.

Seitdem, so erzählt man, erscheinen in manchen Nächten blaue Flämmchen zwischen den Granitblöcken. Sie schweben lautlos über den Boden und zeigen den Ort des Schatzes an.

Doch wer ihnen gierig folgt und den Schatz heben will, erlebt Merkwürdiges: Der Boden scheint sich zu öffnen, Nebel zieht auf, Wege verschwinden und der Schatz ist plötzlich nicht mehr zu finden. Nur wer ohne Eigennutz kommt, soll den verborgenen Reichtum eines Tages sehen dürfen.

5. Die weiße Frau vom Epprechtstein

An mondhellen Nächten soll auf den Mauern der Burgruine eine Frau in einem langen weißen Gewand erscheinen.

Sie blickt schweigend hinab nach Kirchenlamitz und verschwindet wieder zwischen den alten Mauern.

Die Alten erzählten, sie sei die Tochter eines Burgherrn gewesen. Ihr Geliebter war arm und wurde vom Vater verstoßen. Aus Verzweiflung starb sie, bevor sie ihn wiedersehen konnte. Seitdem wandert ihre Seele über den Burgfelsen und wartet auf den, den sie nie wieder traf.

Wer ihr begegnet, dem geschieht nichts Böses – doch man soll ihren Blick nicht erwidern, denn dann folgt einem ihre tiefe Traurigkeit noch lange.

6. Der Teufelstisch

Unterhalb des Epprechtsteins liegt ein großer Granittisch, der heute als Luisentisch bekannt ist. Im Volksmund hieß er früher oft Teufelstisch.

Der Sage nach traf sich dort der Teufel mit den Raubrittern der Burg. Nachts sollen sie über ihre Raubzüge beraten und ihre Beute verteilt haben. Noch vor Sonnenaufgang verschwand der Spuk, und zurück blieb nur der steinerne Tisch.

Später verband sich diese Sage mit dem Besuch des preußischen Königspaars im Jahr 1805, wodurch der Platz den Namen Luisentisch erhielt.

7. Die Geister der Steinbrecher

Der Epprechtstein ist von alten Granitsteinbrüchen umgeben. Früher glaubten die Steinbrecher, dass im Berg kleine Berggeister lebten.

Wenn morgens unerklärliche Hammerschläge aus einem verlassenen Steinbruch zu hören waren, obwohl niemand arbeitete, sagten die Alten:

„Die Bergleut‘ arbeiten heut selbst.“

Man durfte dann keinen Stein schlagen, denn das hätte Unglück gebracht. Manche erzählten sogar, sie hätten kleine Gestalten zwischen den Felsen verschwinden sehen.

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